Denken und Sprache

Sprache und Denken sind eng miteinander verbunden. Das merkt man besonders, wenn man Fremdsprachen lernt, die nicht in Europa gesprochen werden. Vieles, was für uns in der Sprachstruktur selbstverständlich ist, wird dadurch infrage gestellt. Beispiel Japanisch: Die Grammatik ist relativ einfach, doch es stehen ganz andere Aspekte im Vordergrund: Einerseits können durch Endungen am Verb unterschiedlichste Gedanken ausgedrückt werden, andererseits spielen  Höflichkeitsformen eine große Rolle, die sogar die Verwendung spezieller Worte mit einschließt. Dazu kommen natürlich die Schriftzeichen, die ein ganz anderes Gefühl für die Sprache vermitteln, indem es nicht nur Laut-, sondern auch reale Bilder für Begriffe gibt, die in Zusammensetzungen ganz neue Dimensionen eröffnen. Jedenfalls lassen sich diejenigen, die Japanisch lernen, auf eine ganz neue Denkweise ein.

Doch es braucht nicht eine Fremdsprache, um sich mit der Vielfalt von Sprache auseinanderzusetzen. Es ist durchaus interessant und kann Spaß machen, die eigene Muttersprache zu reflektieren, sei es von der Struktur oder von einzelnen Worten her. Auch hier gibt es viel zu entdecken. Beispiel: Zwar sind “bekommen” und “kriegen” synonym verwendbar, aber bedeuten sie tatsächlich das Gleiche?

Des Jägers wilde Bretter

Gleich vorweg: Nicht jeder Mensch muss perfekt in der Rechtschreibung sein. Das gilt insbesondere beim Schreiben von unüblichen Wörter, die im täglichen Sprachgebraucht nicht verankert sind. Erstaunlich jedoch ist die Nachlässigkeit, auf die man immer wieder bei Werbetafeln, Slogans oder Produktbeschreibungen trifft: Zwar sieht man ihnen ein teures Design an, doch an die Rechtschreibung dürfte kein Gedanke verschwendet worden sein.

Ein schönes Beispiel ist das vor kurzem entdeckte “Wildbrett”, das nicht von einer Tischlerei, sondern offensichtlich von einem Lebensmittelanbieter als Hauptprodukt beworben wird. Oder die “Souvenir’s”, die mit viel Liebe gemalt auf einer Fassade prangen. In beiden Fällen wäre es doch ein Einfaches gewesen, vorab jemanden zu Rate zu ziehen, wenn man sich der eigenen Schwäche in Bezug auf Rechtschreibung bewusst ist. So liegt der Schluss nahe, dass kein Bewusstsein für richtiges Schreiben gegeben ist – oder aber, dass davon ausgegangen wird, dass sowieso niemand den Fehler bemerken oder sich daran stoßen würde. Jedenfalls spricht die Präsentation eine deutliche Sprache – und sagt vielleicht mehr über die ErstellerInnen aus, als ihnen lieb ist.

Handschriftlicher Willkommensgruß

Es gibt inzwischen viele (Seminar-)Hotels, die nicht nur großzügige Räumlichkeiten anbieten, sondern auch Komfort und Wellness. Sich als „besonders” zu positionieren wird dadurch immer schwieriger. Ein möglicher Weg kann der persönliche Zugang zu den Gästen sein. Und was eignet sich da besser, als ein handschriftlicher Willkommensgruß?

Dieser fand sich im Zimmer und tatsächlich war unsere erste Reaktion zu überprüfen, ob es sich um einen speziellen Druck handele. Doch im Laufe des Wochenendes fanden wir heraus, dass nicht nur dieser sehr persönliche Empfang handschriftlich verfasst war, sondern auch viele andere Beschriftungen. Die Erfahrung daraus: Einerseits fühlt man sich als Gast angesprochen und persönlich wertgeschätzt, andererseits ist es erstaunlich, wie ungewöhnlich Handschriftliches inzwischen geworden ist.

Tatsächlich verlagert sich gerade die schriftliche Kommunikation verstärkt auf die digitalen Medien. Davon sind nicht nur Nachrichten zwischen Personen betroffen, sondern etwa auch Einkaufszettel und Notizen: Es wird getippt statt geschrieben. Das hat dazu geführt, dass in Finnland die Schreibschrift nicht mehr an Schulen gelehrt wird (aber anderslautenden Meldungen zum Trotz sehr wohl Groß- und Druckbuchstaben). Ist es also obsolet geworden, mit der Hand zu schreiben?

Wenn man schriftliche Kommunikation rein als den Transport von Informationen betrachtet, so lautet die Antwort wahrscheinlich Ja. Je mehr sie jedoch auch als Ausdruck von Persönlichkeit betrachtet wird, desto eher wird Handschrift verteidigt werden. Und wie das Beispiel zeigt, könnte sie sogar eine Renaissance erleben – als Mittel, um sich von anderen abzuheben, Anlässe hervorzuheben oder einfach den persönlichen Wert von Nachrichten zu unterstreichen. Tot ist die Handschrift jedenfalls noch lange nicht.

PS: Zum Schluss sei noch das Geheimnis gelüftet: Bei dem Hotel handelt es sich um die „Kothmühle” in Niederösterreich, die insgsamt duch Stil besticht.