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Krisenkommunikation mit Tücken

Es ist nicht leicht, in Krisen gut und transparent zu kommunizieren, und vieles ist während der Corona-Pandemie gelungen. Doch manche Begriffe werden falsch oder uneindeutig verwendet, was zu Verwirrung und Missverständnissen führt. Zwei Beispiele dafür sind “Eigenverantwortung” und “Risikogruppen”.

Was Eigenverantwortung heißt, sagen schon die beiden Teile des zusammengesetzen Hauptworts. Wenn jetzt an die Eigenverantwortung in Bezug auf das Tragen von Masken appelliert wird, ist das fast zynisch. Denn Personen, die zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln keinen Mund- Nasen-Schutz tragen, handeln subjektiv gesehen eigenverantworlich, weigern sich aber, Verantwortung für andere zu übernehmen, indem sie sie einem Ansteckungsrisiko aussetzen. Fahrgäste, die wiederum ihre Verantwortung für andere wahrnehmen, können für sich selbst nichts anderes tun, als diese Gefährdung hinzunehmen oder darauf aufmerksam zu machen. Sie können also eigenverantwortlich einer möglichen Infektion und damit der Ausbreitung der Pandemie nicht vorbeugen. Darum müssten die Durchsagen also Verantwortungsbewusstsein (für andere) und Rücksicht einfordern, (was ich den ÖBB auch rückgemeldet habe).

Ähnlich war und ist es mit dem Begriff “Risikogruppen”. Besonders zu Beginn der Pandemie wurden hier nicht nur unterschiedliche Personengruppen undifferenziert in verschiedenen Kontexten beschrieben (also Personen, die auf Grund ihres Berufs, ihres Alters oder ihrer Vorerkrankung besonders gefährdet sind), es wurde auch nicht unterschieden, um welches Risiko es ging: um ein erhöhtes Infektionsrisiko oder um ein erhöhtes Risiko, einen schweren Verlauf zu erleben, was doch einen erheblichen Unterschied macht. Verwendet man jedoch einen Begriff für unterschiedliche Situationen, kann das zu Verwirrung führen. Zwar ist inzwischen ein bisschen Licht in die Sache gekommen, doch werden nach wie vor immer wieder alle möglichen Varianten unter “Risikogruppe” subsummiert.

Es ist nicht leicht, in Krisen genau zu kommunizieren. Aber umso wichtiger.

Was fehlt

Seien wir froh! Wäre die Corona-Krise vor zwanzig Jahren ausgebrochen, wäre uns das Kontakthalten um einiges schwerer gefallen. Die digitalen Medien sind heute jedoch so weit entwickelt, dass (fast) alles abseits der persönlichen Begegnung möglich ist: Telefonkonferenzen über Länder hinweg, Skypen mit der Großmutter oder gemeinsames Abendessen mit Freunden via Zoom. Wem das Telefonieren zu anstrengend wird, kann SMS oder Whatsapp verschicken und natürlich gibt es auch noch die guten alten Mails. Zwar tun sich parallel dazu viele Fragen bezüglich des Datenschutzes auf, doch für den Moment zählt für viele die Möglichkeit, die Isolation zu durchbrechen und auch in Zeiten der Einschränkungen soziale Kontakte aufrechterhlten zu können.

So positiv diese Kommunikationswege auch sind, offenbart sich gleichzeitig, was uns fehlt, wenn wir nicht persönlich in Kontakt treten können. Kommunikation ist mehr als miteinander zu reden. Sie besteht auch darin, einander anzuschauen und zu berühren, Reaktionen unmittelbar zu erleben und gemeinsam einen realen Ort mit all seinen Einflüssen zu erleben. Was verloren geht, ist das Reden neben dem gemeinsamen Tun, das Teilen von unmittelbaren Erfahrungen. Und so fällt bei aller technischer Brillanz ein großer Teil dessen weg, wie und warum wir miteinander kommunizieren.

Deshalb geht es vielen wahrscheinlich so wie mir: So gut ich digital auch mit meiner Umgebung Kontakt halten kann, so froh werde ich sein, wenn persönliche Begegnungen wieder möglich sind.

Das Kreuz mit dem Komma

Einigermaßen irritiert stand ich kürzlich vor dem Werbeplakat einer Institution, die ich wegen ihres Anliegens eigentlich sehr schätze. Ästhetisch sehr ansprechend gestaltet, zierte das Plakat der Satz: “Werden wir jemals lernen, zu gehen?” Mir stellte sich die Frage, wer diesen Satz so geschrieben, wie viele Menschen ihn gelesen und wer ihn letztendlich freigegeben hat. Und warum niemandem aufgefallen ist, dass hier ein Beistrich steht, der definitiv nicht hingehört. (Konkret kann oder – in vielen Fällen – muss ein Beistrich vor einer Nennformgruppe stehen. “Zu lernen” ist zwar eine Nennform, aber von Gruppe ist keine Spur.)

Die Beistrichsetzung ist für viele Menschen ein Kapitel, mit dem sie sich nicht auseinandersetzen wollen, weil es den Ruf hat, fürchterlich kompliziert zu sein. Das stimmt nicht. Es gibt einige wenige Regeln, die man mit ein bisschen Übung relativ rasch automatisieren kann. Doch wer kennt nicht die Tendenz, bestimmte Themen von sich fernzuhalten? Ich rufe etwa bei den einfachsten technischen Problemen sofort einmal um Hilfe, bevor ich selbst versuche, sie zu lösen. Wenn ich Texte zur Korrektur oder zum Lektorat erhalte, so betreffen die meisten Ausbesserungen die Zeichensetzung. Dafür gibt es schließlich Anbieter wie wortbildung.

Wenn jedoch professionelle Schreiber und Schreiberinnen die einfachsten Regeln nicht berücksichtigen, stellt sich die Frage nach dem Umgang mit Sprache an sich. In Zeiten, in denen Deutschkenntnisse auch ein Politikum geworden sind, wäre es wünschenswert, in Publikationen, auf Plakaten und anderen öffentlichen Texten eine gewisse Sorgfalt walten zu lassen. Der Anspruch, dass etwas Geschriebenes nicht nur originell und ansprechend, sondern einfach nur richtig sein sollte, ist wohl nicht zu hoch gesteckt.