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Denken und Sprache

Sprache und Denken sind eng miteinander verbunden. Das merkt man besonders, wenn man Fremdsprachen lernt, die nicht in Europa gesprochen werden. Vieles, was für uns in der Sprachstruktur selbstverständlich ist, wird dadurch infrage gestellt. Beispiel Japanisch: Die Grammatik ist relativ einfach, doch es stehen ganz andere Aspekte im Vordergrund: Einerseits können durch Endungen am Verb unterschiedlichste Gedanken ausgedrückt werden, andererseits spielen  Höflichkeitsformen eine große Rolle, die sogar die Verwendung spezieller Worte mit einschließt. Dazu kommen natürlich die Schriftzeichen, die ein ganz anderes Gefühl für die Sprache vermitteln, indem es nicht nur Laut-, sondern auch reale Bilder für Begriffe gibt, die in Zusammensetzungen ganz neue Dimensionen eröffnen. Jedenfalls lassen sich diejenigen, die Japanisch lernen, auf eine ganz neue Denkweise ein.

Doch es braucht nicht eine Fremdsprache, um sich mit der Vielfalt von Sprache auseinanderzusetzen. Es ist durchaus interessant und kann Spaß machen, die eigene Muttersprache zu reflektieren, sei es von der Struktur oder von einzelnen Worten her. Auch hier gibt es viel zu entdecken. Beispiel: Zwar sind “bekommen” und “kriegen” synonym verwendbar, aber bedeuten sie tatsächlich das Gleiche?

So groß als du?

Sprache entwickelt sich, Worte verschwinden, andere werden in den Sprachgebrauch aufgenommen. Manchmal verändern sich auch grammatikalische Strukturen. Ein Beispiel dafür ist der Trend, in Vergleichen “wie” durch “als” zu ersetzen.

Die Regel dazu ist eigentlich einfach: Bei einer Gleichsetzung wird “wie” verwendet: “Susi ist so groß wie ihre Schwester”, beim Komperativ “als”: “Susi ist größer als ihre Schwester.” So weit, so einfach. Doch in letzter Zeit scheint sich, aus welchen Gründen auch immer, “als” immer mehr zu behaupten. Begonnen hat es mit “so bald als möglich”. Nur weil sich diese Wendung durchgesetzt hat, ist sie nicht richtiger geworden. Und inzwischen hört man auch in Interviews verstärkt ein falsches “Als”, das mit größter Selbstverständlichkeit ausgesprochen wird. Grund dürfte es keinen geben, stellt den Sprechenden aber (noch) ein schlechtes Zeugnis aus. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend fortsetzt und wie lange dieser Einsatz noch als Fehler wahrgenommen wird. Das Abendland wird deshalb nicht untergehen, dennoch ist es spannend, die (Un-)Logik in der Entwicklung von Sprache mitzuerleben.

Österreich spricht

Am 13.10.2018 war es so weit: Auf Initiative der Tageszeitung “Der Standard” trafen sich Menschen, die sich im Vorfeld angemeldet und einige Fragen zu ihrer Meinung beantwortet hatten, zum Austausch. Nachdem schon in Deutschland auf diesem Weg der politische Diskurs gefördert worden war, wurde auch in Österreich eifrig diskutiert – nämlich nicht im vertrauten Kreis, sondern eben mit Andersdenkenden, um die eigenen Positionen durch einen anderen Blick zu erweitern.

Das ist in jedem Fall eine großartige Aktion, denn “durchs Reden kommen d’Leut’ z’samm” und das ist in Zeiten, in denen politische Fronten verhärten, wichtiger denn je. Zudem kann kein digitales Medium den persönlichen Kontakt ersetzen. Was in einer kurzen Nachricht verschickt wird, muss in diesem Format einem direkten Kontra standhalten. Mit Menschen reden, die man nicht kennt, mag aus der Mode gekommen sein, weshalb es solcher Initiativen bedarf, aber die Auseinandersetzung über Inhalte lebt genau davon. Die Erfahrungsberichte der Beteiligten legen davon ein beredtes Zeugnis ab.

Schade ist nur, dass mit der Aktion nur ein bestimmter Teil der Bevölkerung erreicht wurde., nämlich die LeserInnen einer Qualitätszeitschrift. Die Auswertung der Antworten auf die Fragen, die im Vorfeld gestellt worden waren, zeigen, dass sich die Meinung der meisten DiskutantInnen deckten. Umso interessanter wäre es, die Einladung auszuweiten. Vielleicht kann man ja beim nächsten Mal auch andere Medien für die Bewerbung gewinnen. Der Diskussionskultur würde es sicher gut tun.